{"id":6,"date":"2015-12-06T21:02:11","date_gmt":"2015-12-06T20:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kolping-rohrbach.de\/kf\/?page_id=6"},"modified":"2015-12-07T20:53:21","modified_gmt":"2015-12-07T19:53:21","slug":"kurzbiografie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kolping-rohrbach.de\/kf\/adolph-kolping\/kurzbiografie\/","title":{"rendered":"Kurzbiografie"},"content":{"rendered":"<p>Adolph Kolping wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen bei K\u00f6ln geboren. Er war das vierte Kind eines Sch\u00e4fers und wuchs in sehr bescheidenen Lebensverh\u00e4ltnissen auf. Neigung und Eignung zum Erwerb h\u00f6herer Bildung waren bei ihm zwar vorhanden, die famili\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse lie\u00dfen einen solchen Weg jedoch nicht zu. Er erlernte nach dem Besuch der Volksschule das Schuhmacherhandwerk und war insgesamt zehn Jahre lang in diesem Beruf t\u00e4tig. Mehr und mehr setzte sich bei ihm in diesen Jahren der Wunsch durch, die weitgehend doch als sehr unbefriedigend empfundenen Lebensverh\u00e4ltnisse aufzugeben. Im Alter von 23 Jahren wagte er den entscheidenden Schritt. Er gab seinen Beruf auf und bezog als Sch\u00fcler das Marzellengymnasium in K\u00f6ln. W\u00e4hrend der Schulzeit, die er &#8211; durch vielfache Krankheit und die notwendige Sorge um den eigenen Lebensunterhalt stark in Anspruch genommen &#8211; mit ungeheurer Energie in k\u00fcrzester Zeit absolvierte, reifte in Kolping der schon lange gehegte Wunsch, Priester zu werden, zur endg\u00fcltigen Gewi\u00dfheit der Berufung. Im Sommer 1841 begann er sein theologisches Studium in M\u00fcnchen, das er sp\u00e4ter an der Bonner Universit\u00e4t und im K\u00f6lner Priesterseminar fortsetzte. Die Priesterweihe empfing Kolping am 13.4.1845 in der K\u00f6lner Minoritenkirche.<\/p>\n<p>Seine erste Stelle erhielt Kolping als Kaplan in Elberfeld. Hier machte er die Bekanntschaft des von dem Lehrer Johann Gregor Breuer 1846 gegr\u00fcndeten Katholischen J\u00fcnglingsvereins, zu dessen zweitem Pr\u00e4ses er 1847 gew\u00e4hlt wurde. Dieser Verein, in dem sich junge Menschen &#8211; zumeist Handwerksgesellen &#8211; zu gemeinsamem Tun im geselligen Bereich wie auch zu gemeinsamer Bildungsarbeit zusammengefunden hatten, wurde f\u00fcr Kolping zur Lebensaufgabe. Nachdem er lange Zeit mit dem Gedanken gespielt hatte, sp\u00e4ter vielleicht wissenschaftlich t\u00e4tig werden zu k\u00f6nnen, erkannte er nun in dem Wirken mit und f\u00fcr diese jungen Menschen seine eigentliche Berufung. Er, der selbst lange Jahre Geselle gewesen und von daher mit den Problemen dieser Menschen vertraut war, widmete sich fortan in erster Linie dem Wirken an dieser Sache. Im Jahre 1849 kam er nach K\u00f6ln; als Domvikar blieb ihm Zeit, sich durch beispielhaftes Tun, durch Reisen und durch das geschriebene Wort f\u00fcr die Ausbreitung des Katholischen Gesellenvereins zu engagieren. Daneben erwarb er sich als Publizist und Volksschriftsteller breite Anerkennung in weiten Kreisen der katholischen Bev\u00f6lkerung. Kolpings Wirken war erfolgreich. In den wenigen Jahren, die ihm noch beschieden waren, weitete sich das Werk st\u00e4ndig aus; im Jahre 1865 z\u00e4hlte man bereits \u00fcber 400 Gesellenvereine in zahlreichen L\u00e4ndern Europas und in \u00dcbersee. Kolping selbst, seit 1862 Rektor der K\u00f6lner Minoritenkirche, nahm bei seinem rastlosen Wirken in den verschiedensten Bereichen keine R\u00fccksicht auf die eigene Gesundheit. Der unerm\u00fcdliche Einsatz zehrte die Kr\u00e4fte dieses Mannes fr\u00fchzeitig auf; noch nicht 52j\u00e4hrig, starb Adolph Kolping am 4. Dezember 1865.<\/p>\n<p>Adolph Kolpings Wirken ist von vielf\u00e4ltiger Struktur und Auspr\u00e4gung, bedingt durch das breite Spektrum seiner im weitesten Sinne verstandenen beruflichen T\u00e4tigkeit. Drei Schwerpunkte lassen sich dabei ausmachen: Er wurde 1847 Pr\u00e4ses des Katholischen J\u00fcnglingsvereins (Gesellenvereins) Elberfeld. Er gr\u00fcndete dann 1849 den K\u00f6lner Gesellenverein, dem er bis zu seinem Tode vorstand. Daneben sorgte er seit 1849 f\u00fcr die Ausbreitung des Gesellenvereins und damit f\u00fcr den Aufbau des Verbandes, dessen F\u00fchrung ihm &#8211; auch vor der formellen Etablierung des Amtes des Generalpr\u00e4ses &#8211; bis zu seinem Tode oblag.<\/p>\n<p>Nach den ersten publizistischen Aktivit\u00e4ten des Studenten Adolph Kolping begann das regelm\u00e4\u00dfige publizistische Wirken mit der *\u00dcbernahme der Redaktion des &#8222;Rheinischen Kirchenblattes&#8220; zu Beginn des Jahres 1850. Zum 1. April 1854 verlie\u00df er das &#8222;Rheinische Kirchenblatt&#8220;, um fortan als Herausgeber und Redakteur seiner eigenen &#8222;Rheinischen Volksbl\u00e4tter&#8220; zu wirken, die er bis zu seinem Tode 1865 betreute. Als besondere Organe f\u00fcr den Gesellenverein wurden zwischen 1850 und 1854 die Beilagen &#8222;Vereinsorgan&#8220; und &#8222;Feierstunde&#8220; zum &#8222;Rheinischen Kirchenblatt&#8220; herausgegeben. Ab 1863 gab Kolping die &#8222;Mittheilungen f\u00fcr die Vorsteher der Katholischen Gesellenvereine&#8220; heraus. Ein weiterer Bereich des publizistischen Wirkens waren die Volkskalender. Kolping gab seit 1850 j\u00e4hrlich einen Volkskalender heraus, dessen gr\u00f6\u00dfere Beitr\u00e4ge, &#8222;Volkserz\u00e4hlungen&#8220;, zum \u00fcberwiegenden Teil aus seiner eigenen Feder stammten.<\/p>\n<p>Von 1845 bis 1849 war Adolph Kolping Kaplan in Elberfeld, von 1849 bis 1862 Domvikar in K\u00f6ln, von 1862 bis 1865 Rektor der Minoritenkirche. 1850 wurde er durch den K\u00f6lner Erzbischof zum Apostolischen Notar ernannt; 1862 erfolgte durch Papst Pius IX. die Ernennung zum p\u00e4pstlichen Geheimk\u00e4mmerer. Auf seinen eigenen Wunsch wurde Adolph Kolping in der K\u00f6lner Minoritenkirche beigesetzt (1866).<\/p>\n<p>Zwei &#8218;Bruchstellen&#8216; kennzeichnen den Lebensweg Kolpings: Da ist zun\u00e4chst &#8211; in den Jahren 1836\/ 37 &#8211; der &#8218;Ausstieg&#8216; aus dem bisherigen Dasein als Schuhmacher. Mit diesem Schritt und dem sich anschlie\u00dfenden Besuch des Gymnasiums ging Kolping das Wagnis ein, doch noch das Ziel des Erwerbs einer h\u00f6heren Bildung zu erreichen. Der Priester Adolph Kolping fand dann &#8211; in den Jahren 1848\/49 &#8211; im Gesellenverein seine eigentliche Lebensaufgabe, der er sich in den noch verbleibenden Jahren mit voller Hingabe und gro\u00dfem Erfolg widmete. Beide &#8218;Bruchstellen&#8216; sind quellenm\u00e4\u00dfig eindringlich belegt; jedenfalls macht der Lebensweg Kolpings und machen seine eigenen Aussagen dazu deutlich, da\u00df die Vorstellung eines bruchlosen, gradlinigen und zielstrebigen Weges vom Gesellen zum Gesellenvater in das Reich der Legende verwiesen werden mu\u00df!<\/p>\n<p>Einem Jugendfreund schrieb Adolph Kolping 1842: \u00dcberlege, was Gott wohl mit Dir vorhat, und bestrebe Dich dann, mit allen Kr\u00e4ften seinem heiligen Willen nachzukommen. Das ist n\u00e4mlich die n\u00e4chste und wichtigste Aufgabe in dem Leben des Christen. In seinem Tagebuch (begonnen 1837) notierte er als ersten Eintrag: Erst will ich mich bestreben, Mensch zu sein, die hohe Bestimmung desselben begreifen lernen, zu der er geboren ward, die Pflichten des Menschen erkennen und erf\u00fcllen lernen, die ihn gerecht machten, unter seinen Br\u00fcdern zu leben und f\u00fcr sie zu wirken; dann, nachdem ich erkannt habe die Wege, die zur Vollendung f\u00fchren, dann will ich mit festem Fu\u00dfe sie betreten, will die erkannte Wahrheit festhalten und sie verteidigen, mit freier, offener Stirn bekennen, was in meiner Seele vorgeht, der Wahrheit ein Zeuge, dem Mitmenschen ein Bruder sein. Zufriedenheit will ich in dem Gedanken suchen, alles getan zu haben, was meine Kr\u00e4fte und mein Wirkungskreis verlangte; au\u00dfer diesem gibt es auch keine wahre Zufriedenheit, keine Ruhe f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Diese Gedanken verm\u00f6gen zumindest im Kern zu erhellen bzw. zu erkl\u00e4ren, da\u00df und warum Kolping seinem leben mehrfach eine quasi g\u00e4nzlich neue Richtung geben konnte oder geben mu\u00dfte: Es ging ihm um die Annahme und Ernstnahme seiner Berufung! Damit ist ein zentrales Element der Pers\u00f6nlichkeit Kolpings angesprochen, auf die an anderer Stelle n\u00e4her einzugehen sein wird.<\/p>\n<p>Das Wirken Kolpings insgesamt kann nicht losgel\u00f6st von der allgemeinen Zeitlage betrachtet und verstanden werden. In ihren Entwickungen und Wandlungen ist die Zeit Kolpings allerdings viel zu komplex, um in einer wirklich ausreichenden Tiefe abgehandelt werden zu k\u00f6nnen. M\u00f6glich ist hier lediglich der Hinweis auf einige wichtige Aspekte, die f\u00fcr Kolpings Zielsetzungen und Aktivit\u00e4ten von entscheidender Bedeutung sind.<\/p>\n<p>Die erste H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts ist ganz allgemein eine Zeit des Umbruchs in fast allen Lebensbereichen. Sie markiert die entscheidende Phase im \u00dcbergang von der prim\u00e4r agrarisch gepr\u00e4gten, in Jahrhunderten gewachsenen und kaum wesentlich ver\u00e4nderten st\u00e4ndischen Gesellschaft zur industriellen Gesellschaft unserer Tage. Wesentlich ist dabei, da\u00df sich nach dem Zerfall relativ fester Strukturen in den verschiedensten Bereichen keine neue Ordnung von vergleichbar konstanter Pr\u00e4gung herausbildete, da\u00df seit dieser Zeit vielmehr mehr oder weniger alle sozialen Verh\u00e4ltnisse im Flu\u00df sind, einem st\u00e4ndigen Wandel unterworfen.<\/p>\n<p>Gerade das Handwerk, in dem Kolping selbst ja 10 Jahre lang t\u00e4tig gewesen war, war durch vielf\u00e4ltige Entwicklungen stark betroffen. Die Einf\u00fchrung der Gewerbefreiheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts und damit das Ende des Zunftwesens, das das Handwerksleben in den Jahrhunderten zuvor sehr weitgehend geregelt hatte, lie\u00dfen die traditionellen Verh\u00e4ltnisse in diesem Gewerbezweig zerbrechen. Hatten fr\u00fcher Z\u00fcnfte \u00fcber die Zahl der Betriebe in einem Ort bestimmt, um ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis zwischen Angebot und Nachfrage zu gew\u00e4hrleisten, so konnte es nach der Einf\u00fchrung der Gewerbefreiheit zu einer unkontrollierbaren Zunahme von Handwerksbetrieben kommen. Eine Folge davon war dann ein hemmungsloser Konkurrenzkampf, sp\u00e4ter noch versch\u00e4rft durch die aufkommenden Industriebetriebe, was wiederum mit sich brachte, da\u00df eine ganze Reihe von Betrieben entweder nur k\u00fcmmerlich existieren konnte oder ganz auf der Strecke blieb. F\u00fcr Meister und Gesellen in diesen Betrieben bedeutete dies dann vielfach den Abstieg ins Proletariat. Mit dem Zerfall der traditionellen Ordnung des Handwerkes h\u00f6rte es mehr und mehr auf, da\u00df die Gesellen wie selbstverst\u00e4ndlich zum Haushalt des Meisters geh\u00f6rten. Viele Meister sahen in den Gesellen bald nurmehr die bezahlte Arbeitskraft, um deren pers\u00f6nliche Situation sie sich nicht mehr k\u00fcmmern mu\u00dften. Hier kann insgesamt durchaus von einer gewissen Entpers\u00f6nlichung der Arbeitsbeziehungen gesprochen werden, wie sie allgemein im Zuge der Zeit zu beobachten ist, gepr\u00e4gt gerade durch das Vordringen einer kapitalistischen Wirtschaftsgesinnung, in der das Profitstreben der entscheidende Faktor war. Die Gesellen waren mehr und mehr auf die Herbergen angewiesen, in denen sie Unterkunft fanden und ihre freie Zeit verbrachten; eine Umgebung, die sich f\u00fcr ihre personale und soziale Entwicklung nicht eben f\u00f6rderlich auswirken konnte. Die Entwicklung ging vielfach so weit, da\u00df die Gesellen aufgrund der Unstetigkeit ihres Lebens (Wanderschaft) und der \u00e4u\u00dferen Bedingungen ihres Daseins (Herbergen) zu einer Randgruppe der Gesellschaft wurden, gemieden von den etablierten Schichten der damaligen Gesellschaft. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, da\u00df das Handwerk zur Zeit Kolpings der bedeutendste Wirtschaftszweig war, da\u00df die Zahl der Handwerker die der Arbeiter noch klar \u00fcberstieg. Gerade in mittleren und kleinere Orten stellten die Meister noch weithin das tragende Element des Mittelstandes dar und \u00fcbten damit eine gewichtige gesellschaftspr\u00e4gende Funktion aus.<\/p>\n<p>Im mittleren und gehobenen B\u00fcrgertum der Zeit Kolpings breitete sich der Liberalismus als vorherrschende Weltanschauung aus. Dieser aus der Aufkl\u00e4rung erwachsene Liberalismus kann mit seinen Tendenzen zur Verabsolutierung des Individuums, mit seiner Fortschrittsgl\u00e4ubigkeit und seiner Verfechtung des freien Spiels der Kr\u00e4fte in Gesellschaft und Wirtschaft hier nicht n\u00e4her abgehandelt werden; wichtig ist jedoch der Hinweis, da\u00df er zu jener Zeit deutliche antireligi\u00f6se bzw. antikirchliche Tendenzen aufwies, insgesamt ist f\u00fcr die Zeit Kolpings ein R\u00fcckgang des christlichen Einflusses in der Gesellschaft sp\u00fcrbar, ein R\u00fcckgang des verhaltenspr\u00e4genden Einflusses christlicher Wert- und Ordnungsvorstellungen. Gerade in jener Zeit liegt ja eine Hauptphase der umfassenden, in unseren Tagen noch keineswegs abgeschlossenen S\u00e4kularisierung der verschiedensten Lebensbereiche, wie sie als ein Grundelement der neueren Geschichte \u00fcberhaupt angesehen werden mu\u00df. Die katholische Kirche in Deutschland befand sich im Zuge dieser Entwicklungen in einer schwierigen Situation. Im Gefolge der Franz\u00f6sischen Revolution ihres weltlichen Besitzes beraubt, war sie in weit str\u00e4krem Ma\u00dfe als jemals zuvor staatlichen Eingriffen ausgesetzt.<\/p>\n<p>Ein Grundelement der Zeit Kolpings ist die Aufl\u00f6sung bzw. der Verlust traditioneller Bindungen sozialer und weltanschaulicher Natur, Hand in Hand gehend mit einer Verst\u00e4rkung von Mobilit\u00e4t und Pluralit\u00e4t in der Gesellschaft. Die Gesellschaft wird offener in dem Sinne, da\u00df der einzelne hinsichtlich seiner Pers\u00f6nlichkeitsentfaltung und Daseinsgestaltung nicht mehr so stark wie fr\u00fcher durch seine Herkunft festgelegt ist; die Gesellschaft wird mobiler in dem Sinne, da\u00df der einzelne mehr als fr\u00fcher in die Lage versetzt bzw. auch gezwungen wird, Wohnort und Besch\u00e4ftigungsart zu wechseln. Die Staaten k\u00f6nnen sich dem Ruf nach mehr Freiheit und Gleichheit, wie ihn die Franz\u00f6sische Revolution auf ihre Fahne geschrieben hatte, nicht mehr v\u00f6llig verschlie\u00dfen. Der einzelne wird freier, auch hinsichtlich der vielf\u00e4ltigen traditionellen Formen sozialer Kontrolle. Der Zerfall traditioneller Bindungen (z. B in der Gro\u00dffamilie im l\u00e4ndlichen Bereich oder in der Zunft im st\u00e4dtischen Handwerk) bringt jedoch zugleich eine gr\u00f6\u00dfere Unsicherheit f\u00fcr den einzelnen mit sich. Die festgef\u00fcgte Ordnung fr\u00fcherer Zeit hatte den Menschen eine umfassende Daseinssicherheit zu geben vermocht, losgel\u00f6st aus diesen Bindungen fand sich der einzelne nun mehr oder weniger hilflos den Problemen und Gefahren der Zeit ausgesetzt, gab es doch in jener Zeit z. B. weder Sozialversicherung noch Krankenversicherung.<\/p>\n<p>Die skizzierten Entwicklungen, gerade auch im Blick auf eine gr\u00f6\u00dfere Freiheit des einzelnen in seiner Lebensgestaltung und die sich vergr\u00f6\u00dfernde Notwendigkeit oder M\u00f6glichkeit zur beruflichen wie auch regionalen Mobilit\u00e4t, diese Entwicklungen mit allen ihren Chancen und Risiken sind nicht losgel\u00f6st zu sehen von technischen Neuerungen in vielen Bereichen, die einen rascheren Austausch von Informationen und Meinungen ebenso erm\u00f6glichten wie eine gr\u00f6\u00dfere &#8222;Beweglichkeit&#8220; des Menschen. Kolping selbst hat solche Entwicklungen unmittelbar miterlebt und auch zu nutzen gewu\u00dft. Mu\u00dfte er in fr\u00fcheren Jahren seine Reisen noch zu Fu\u00df oder mit der Postkutsche absolvieren, so stand ihm sp\u00e4ter in vielen Bereichen bereits die Eisenbahn zur Verf\u00fcgung, die auch gr\u00f6\u00dfere Entfernungen faktisch &#8222;schrumpfen&#8220; lie\u00dfen. In diesen Bereich geh\u00f6rt aber auch das Aufkommen der Telegraphie und &#8211; wiederum eng mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verkn\u00fcpft (z.B. wachsende Meinungsfreiheit, allgemeine Schulpflicht) &#8211; die rasche quantitative Ausbreitung des gedruckten Wortes, von Zeitungen, Zeitschriften und B\u00fcchern also. Auch in diesem Bereich hat Kolping selbst ja die M\u00f6glichkeiten der Zeit in vollem Ma\u00dfe nutzbar gemacht.<\/p>\n<p>Heute sind wir es gew\u00f6hnt, die Problemlagen der Zeit Kolpings mit dem Begriff &#8217;soziale Frage&#8216; zusammenfassend zu kennzeichnen. Tats\u00e4chlich stellt sich aber diese Zeit sehr viel komplexer dar, als dies mit einer auf die sogenannte &#8218;Arbeiterfrage&#8216; &#8211; im Kontext der industriellen Revolution &#8211; reduzierten Begrifflichkeit zum Ausdruck kommt und kommen kann. Kolping selbst hat sich zu allen Zeiten, d.h. in allen Phasen seines &#8218;bewegten&#8216; Lebens sehr differenziert mit den Gegebenheiten und Entwicklungen der eigenen Zeit auseinandergesetzt, die er ja aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln resp. Erfahrungsr\u00e4umen heraus erleben, beobachten und kommentieren konnte.<\/p>\n<p>Seine Positionen gegen\u00fcber der erlebten Wirklichkeit und seine Vorstellungen \u00fcber notwendige Ver\u00e4nderungen haben durchaus andere Akzente als bei vielen seiner Zeitgenossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolph Kolping wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen bei K\u00f6ln geboren. Er war das vierte Kind eines Sch\u00e4fers und wuchs in sehr bescheidenen Lebensverh\u00e4ltnissen auf. Neigung und Eignung zum Erwerb h\u00f6herer Bildung waren bei ihm zwar vorhanden, die famili\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse lie\u00dfen einen solchen Weg jedoch nicht zu. 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